Seelsorge & Spiritualität

Unsere Beiträge im Chattengaukurier und in der HNA:

Caritas 2018
Caritassonntag 2018

Jeder Mensch braucht ein Zuhause

Liebe Leserinnen und Leser!  

Die Caritas-Kampagne 2018 macht die Not nach bezahlbarem Wohnraum in Deutschland zum Thema. Im Johannesevangelium lesen wir: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ 

In vielen Ballungsräumen Deutschlands, wäre Gott ein gemachter Mann. Jesus, sein Makler, verspricht ein Haus, wo es Wohnungen für jeden gibt. Eine Vision, die vielen die Tränen in die Augen treibt, sieht die Realität ganz anders aus. 300-500 Bewerber auf eine Wohnung sind keine Seltenheit. Und dann lesen wir, dass in Gottes Haus Platz für alle ist. Eine wörtliche Auslegung der Bibel führt in eine Sackgasse. Daher ist es interessant zu schauen, was Jesus damit meint, wenn er jedem und jeder eine Wohnung bei Gott verheißt. 

Der Text steht in den Abschiedsreden von Jesus. Jesus weiß um sein Schicksal und er bereitet die Jünger auf die Zeit nach seinem Tod vor. Sein „Weggang“ ermöglicht erst das „Platz bereiten“ in Gottes Haus. 

Der Begriff des Hauses meint dabei nicht ein Gebäude, sondern eine Gemeinschaft aller, die Jesus nachfolgen. Das Haus als Synonym für die Hausgemeinschaft, die Familie, die Gemeinschaft von Menschen, die füreinander da sind: Das Haus Gottes als Zuhause. Der Gedanke, dass Menschen bei Gott eine Wohnung finden, ist tröstlich. Der einzelne Mensch, der Jesus liebt, ihm als Weg, Wahrheit und Leben vertraut, nimmt Wohnung bei Gott. 

Jesus selbst ist es, der diesen Platz vorbereitet. Sein Weg durch Tod und Auferstehung ist Verheißung für die Gläubigen. Der Tod gehört zum Leben. Das Leben auf dieser Welt ist endlich. Jesus selbst ist diesen Weg gegangen. Doch er verweist auf ein Leben, das stärker ist als der Tod. Ein Leben das in der Gegenwart Gottes ewig ist. In diesem ewigen Leben finden wir Heimat in der Liebe Gottes. 

Der Gedanke den „Einzug“ bei Gott nur auf die Ewigkeit zu beziehen, ist zu wenig. Schon jetzt bilden wir eine Hausgemeinschaft. Und Gott ist es, der uns zu einem lebendigen Haus zusammenführt. Der Apostel Petrus schreibt, jeder und jede einzelne von uns ist ein lebendiger Stein. Das Fundament, auf dem diese Gemeinschaft gegründet ist, ist Jesus Christus. Jesus ist der Wegbereiter, wir folgen seinen Spuren. Den Weg zur ewigen Wohnung bei Gott unserem Vater, den kann man nicht alleine gehen. Dazu braucht es die ständige Gemeinschaft mit Jesus und untereinander. Schon jetzt können wir einander eine Vorahnung davon geben, wie sich das Zuhause bei Gott anfühlen wird. 

Einander ein Zuhause geben, schon hier in dieser Welt, heißt einander annehmen, so wie wir sind. Es heißt einander willkommen zu heißen, mit allen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Es heißt miteinander und aneinander zu wachsen. Jeder Mensch braucht ein Zuhause - geben wir es einander. 


(Der Text wurde aus der Caritas-Kampagne 2018 von Martina Neugebauer-Renner übernommen)

Ihr Pfarrer Simon Graef 

Katholische Kirche im Chattengau 

Artikel im Chattengaukurier 20.9.2018


„Gedeihliches Wetter“

Für viele war das Sommerwetter zunächst sehr angenehm. Man kann schon früh morgens vor der Türe sitzen und abends lange im Biergarten bleiben. Zu Hause ein Wetter wie im Urlaub.

Wie schnell aber ist dieses gute Gefühl umgeschlagen. Fische verenden in Massen wegen des Sauerstoffmangels in den Flüssen. Ställe müssen gekühlt werden. Stromfressende Klimaanlagen laufen auf Hochtouren. Man stöhnt über die Dauerhitze, die nicht durch Regengüsse abgekühlt wird. Wenn es doch einmal regnet, dann sind es gleich Sturzfluten und schwere Gewitter. Die Ernteausfälle gehen in die Millionen. Brände und Stürme lassen das Verkehrssystem zusammenbrechen.

Als am Sonntag der Pfarrer beim Wettersegen um „gedeihliches Wetter“ bat, kam mir eine Geschichte aus meiner Volksschulzeit im bäuerlichen Dorf in den Sinn. Ein Mann, der sich sehr über das schlechte Wetter bei Gott beschwert hatte, erhielt von diesem die Macht, ein Jahr lang selbst das Wetter zu machen. Es gelang ihm auch alles sehr gut, und die Pflanzen gediehen prächtig. Nur als es zur Ernte kam, waren die Getreideähren leer. Der Mann hatte den Wind vergessen, so war das Getreide nicht bestäubt worden. Das Angebot Gottes an ihn, auch im nächsten Jahr wieder die Verantwortung für das Wetter zu übernehmen, lehnte er dankend ab: „Ich glaube es ist besser, wenn du wieder das Wetter machst.“


„Stoppt die Heißzeit“ titelte eine große deutsche Tageszeitung und zeigte mit vielen wissenschaftlichen Argumenten auf, wie wir Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind, der, wenn wir nicht umsteuern, nicht mehr zu stoppen ist. Das erste Mal in der Geschichte wird uns auf so deutliche Weise bewusst, wie zerbrechlich Gottes Schöpfung ist.

Papst Franziskus ruft deshalb in seiner Enzyklika „Laudato si“ die Menscheit auf: „Ich lade dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten. Wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderung der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln interessieren und betreffen uns alle.“ 

Wir Christen glauben daran, dass Gott alles gut geschaffen hat. Er ist nicht verantwortlich für die heraufziehende Katastrophe, denn er liebt uns und will das Beste für seine Schöpfung.

Daran muss er durch unsere Gebete und Fürbitten nicht erst erinnert werden. Hier geht es nicht darum, dass Gott uns erhört, sondern dass wir Gott erhören, seinen Willen tun und dies in unserem guten Umgang mit der Schöpfung täglich zeigen, damit unsere Kinder eine menschenwürdige Zukunft haben.


Stefan Schmitt, Sprecher des Pfarrgemeinderates

(Chattengaukurier - An(ge)dacht 16.8.2018)



Wenn nicht der Herr das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen (Psalm 127,1)

Am 10. Juni 2018 wurde in Gudensberg das neue Gemeindehaus der Katholischen Pfarrei eingeweiht. Der Diözesanadministrator Weihbischof Karlheinz Diez aus Fulda nahm sich Zeit mit den Katholiken im Chattengau zu feiern und den Segen Gottes für die Menschen und ihr Haus zu erbitten. 
Nicht nur einmal hörte ich den Satz: „Herr Pfarrer, sie haben aber Mut dieses neue Haus zu bauen“. Dabei bin ich ein ziemlicher Angsthase, die Entscheidung zum Bau traf der Verwaltungsrat und gebaut haben über 44 fleißige Handwerksbetriebe. Was ist also gemeint? Die Katholiken im Chattengau sind eine Minderheit, nur etwa 10% der Bevölkerung. Man liest überall von weniger Glauben und Problemen mit „DER Kirche“. 
Was soll ein neues Haus? Zukunft natürlich! Wer die großen Fenster am Haus sieht merkt, wir wollen uns nicht verstecken sondern zum Glauben, zur Begegnung mit Gott und untereinander einladen. Wenn das Mut ist, dann gilt es für alle. Das Fest Fronleichnam hat kaum jemand außerhalb der Kerngemeinde wahrgenommen und doch waren die Katholiken mit Jesus, Gott selbst, in der Gestalt der Hostie mitten in der Stadt Gudensberg. Es geht um Christus, er trägt unser Leben. 
Der Psalm 127 entstand, als der Tempel in Jerusalem neu gebaut wurde. Das ging damals nur mit vielen Arbeitern, so wie heute auch. Der eigentliche Tempel, das Haus Gottes sind die vielen Menschen die sich versammeln. Die evangelischen und freikirchlichen Glaubensgeschwister waren gekommen, um mit den Katholiken zu feiern. Das ist das eigentliche Haus, nur Gott selbst kann es vollenden.
Pfarrer Simon Graef
Katholische Kirche im Chattengau


Wort zum Sonntag in der HNA vom 17.6.2018



Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf (Röm 8,26)

Als man „Suche Frieden“ aus dem Psalm 34 zum Motto des diesjährigen Katholikentags in Münster machte, ahnte sicher niemand, 

wie brennend aktuell das Bibelzitat in diesen Tagen werden würde. Luftangriffe in Syrien und Israel sowie 

die einseitige Aufkündigung internationaler Verträge und Vereinbarungen haben viele Menschen aufgeschreckt. 

Wie machtlos fühlen wir uns angesichts der großen Ereignisse der Weltpolitik. 
Geht es einem da nicht besser, wenn man das alles ignoriert und lieber sein (Privat-)Leben genießt, 

ohne die Schreckensmeldungen der Nachrichtenagenturen zur Kenntnis zu nehmen, ohne sich mit der „Sünde der Welt“ zu belasten, 

die man sowieso nicht verhindern und deren Folgen man nicht aufhalten kann?

Wir Christen wissen, dass wir „die Sünde der Welt“ nicht auf uns nehmen müssen, das hat Jesus Christus, 

das Lamm Gottes mit seiner Hingabe am Kreuz bereits für uns getan. Aber wir wissen auch, dass wir nicht 

tatenlos zusehen dürfen, wenn die Zukunft unserer Kinder gefährdet wird. 
In den kleinen Dingen des Alltags beginnt der Friede. 
Wenn wir uns unserem Mitmenschen in Familie und Nachbarschaft wohlwollend zuwenden, 

wird der Geist Gottes wirksam, der Heilige Geist, der Leben schafft und uns letztlich den Frieden schenkt, den die Welt nicht geben kann.
Wenn wir Christen, über alle Konfessionen hinweg, solidarisch diesen Frieden im Kleinen zu leben beginnen, 

werden wir zum Salz der Erde, zum Sauerteig, der alles durchsäuert.
Dann bricht durch unsere Hände das Friedensreich Gottes an, das wir als Gläubige gemeinsam erwarten.
Wir sind nicht zu schwach dafür, weil wir nicht alleine sind! 


Die Zusage Jesu gilt. „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“!


Stefan Schmitt, Sprecher des Pfarrgemeinderates
(Chattengaukurier - An(ge)dacht 16.5.2018)




Ich bin weil du bist

Gedanken zum Misereor Hungertuch 2018 

Traditionell werden in der Kirche Hungertücher aufgehängt, um in der Fastenzeit das Altarkreuz zu verhüllen. „ICH bin, weil du bist“ ist ein afrikanisches Sprichwort. Es drückt aus, dass es zum Wesen des Menschen gehört, Teil eines Beziehungsnetzes zu sein. Alle sind wir aufeinander angewiesen. Die Dinge sind so verflochten miteinander, dass sie einem Gewebe ähneln. Das Vibrieren eines einzigen Fadens versetzt das Ganze in Bewegung. MISEREOR lädt mit diesem Hungertuch zu einem Dialog darüber ein, wie Menschen miteinander die Zukunft gestalten können. Wir meinen, dass es mehr Begegnung auf Augenhöhe und Teilhabe braucht, um die vielfältigen Herausforderungen zu bewältigen.

Zwei Menschen und ein Zwischen-Raum
Mit Blicken kann Heil und Unheil anfangen. Das Hungertuch des nigerianischen Künstlers Chidi Kwubiri zeigt spiegelbildlich zwei überlebensgroße und monochrome Menschen im Profil. Sie schauen sich an und sie berühren sich respektvoll über eine Grenze hinweg. Die Arme liegen auf den Schultern des oder der Anderen und nehmen sogar die „fremde“ Farbe an. In diesem Geben und Empfangen wächst Beziehung. 

Das Hungertuch besteht aus zwei Bildern, die bewusst so angeordnet sind, dass ein schmaler weißer Zwischenraum erkennbar bleibt, der innehalten lässt. Ziehe ich eine Grenze oder überschreite ich sie? Möchte ich mehr Nähe oder bleibe ich auf Distanz? 

Der Künstler ließ sich vom Zusammenfluss von Niger und Benue im Zentrum Nigerias inspirieren. Die türkis-grünen Fluten des einen vereinigen sich bei der Stadt Lokoja mit dem lehm-gelben Wasser des anderen zu einem einzigen großen Strom. Das Grün, Symbol für wachsendes Leben, gilt ebenso wie das Gelb in vielen Kulturen als Farbe der Schöpfung und der Fruchtbarkeit. Gelb verweist durch seine Nähe zu Gold auf Gott und kombiniert das Naturhafte mit dem Göttlichen. Alles Leben trägt die Spuren Gottes in sich. 

Auch die biblischen Schöpfungsberichte erzählen von Beziehungen: von einem väterlichen und mütterlichen Gott geschaffen , bilden sämtliche Geschöpfe eine universale Familie. „Alles steht in Beziehung“ betont Papst Franziskus in seinem Schreiben „Laudato si“ 

Begegnung auf Augenhöhe
Das Bild vermittelt eine „humane“ Sichtweise ohne hierarchische Attitüden: Menschen werden nicht mehr auf ihre Bedürftigkeit reduziert, nicht mehr kategorisiert als Opfer und Retter, Arme und Reiche, Frauen und Männer, Behinderte und Nichtbehinderte, Alte und Junge. Es sind zuerst – Menschen. Von Gott geschaffen nach seinem Bilde mit je eigener Würde.  

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Umkehr. Wenden wir uns einander und damit auch Gott zu. Es gibt viel zu entdecken. Das Hungertuch in Originalgröße können sie in den katholischen Kirchen in Gudensberg und Besse sehen.


Ihr Pfarrer Simon Graef

Katholische Kirche im Chattengau (22.2.2018)



Was bleibt vom Osterfest

Der Frühling ließ in diesem Jahr etwas auf sich warten, bis weit in den März hinein gab es frostige Temperaturen. 

Viele fühlten, es wird Zeit, dass der Winter endlich vorbei ist. An vielen Orten brannten Osterfeuer. Vertreiben 

die Menschen den Winter mit dem Osterfeuer? Die Feuer laden zur Geselligkeit ein. 

Wer trifft sich schon gern im Winter abends im Freien? 

Am Osterfeuer beginnt das anders zu werden. Das Feuer wärmt und es kommt Stimmung auf. Die Tage sind länger 

geworden, die Natur erwacht, ein Aufbruch. Vielleicht kam das Feuer so auch in die Feier der Heiligen Osternacht:

Feuer und Flamme sein, sich für etwas begeistern und aufbrechen. Ostern feierten Christen in aller Welt die Auferstehung des Herrn. 

Was bleibt davon eine Woche später, wenn die Asche des Osterfeuers weggeräumt ist? 

In der Osternacht fand ein festlicher Gottesdienst statt, nach der Trauer am Karfreitag, dem Leiden mit Christus, ein neuer Aufbruch. 

Am Osterfeuer wurde die Osterkerze entzündet und in die Kirche getragen. Nicht das ganze Feuer, nur die Kerze. 

Diese Geste erinnert daran, wie im Alten Testament das Volk Israel Gott folgt, der in der Feuersäule voran geht. 

Die Auferstehung selbst hat niemand gesehen, nicht einmal gehört, aber das Grab ist leer. In der Nacht entzündet eine Kerzenflamme 

die andere, langsam breitet sich das Licht aus. Dann wird alles hell und die Orgel jubelt laut. 

Was bleibt von der Osternacht, wenn die Kerze runtergebrannt ist oder ausgeblasen wurde? 


Osterfeuer, Osterkerze und Osternacht sollen mich selbst entzünden und begeistern für den Menschen neben mir. 

Vielleicht haben sie am Osterfeuer ein bekanntes Gesicht entdeckt oder neue Bekannte getroffen. Begeistert füreinander sein.

Wenn Christus den Tod besiegt, bedeutet dies Leben für uns Menschen. In vielen Orten wird in der Osternacht getauft. 

Menschen werden in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Ein neuer Aufbruch, der sicher nicht immer leicht ist. 

Der ungläubige Thomas ist vielen bekannt. Er war nicht dabei als Jesus den Jüngern erschien. Die anderen haben ihm davon erzählt 

und er hat zunächst nicht geglaubt. Erst die Begegnung mit Jesus selbst, führte ihn zum Glauben. Wem, der nicht dabei war, 

haben Sie schon von ihrer persönlichen Osternacht erzählt? Die Kerze in der Nacht gibt ihr Feuer, ihr Licht weiter. Die Begegnung mit Christen gibt den Glauben weiter. Was bleibt, ist das neue Leben.

Der Winter kann das Frühjahr nicht besiegen. In der Gemeinschaft wird neues Leben spürbar und werden Schwierigkeiten gemeinsam getragen.

 

So wünsche ich Ihnen Ihren ganz persönlichen Aufbruch, ein Stück neues Leben 

in der Gemeinschaft mit Menschen, die Ihnen wichtig sind.


Ihr Pfarrer Simon Graef,
Katholische Kirche im Chattengau
April 2018

Sternsinger sind Helden

Gemeinsam die Welt verändern


Skifahren, das neue Computerspiel testen oder im warmen Wohnzimmer einen Film anschauen – in den Weihnachtsferien locken viele Alternativen zum Sternsingen. Kinder, die sich an kalten Januartagen in ihrer Freizeit als Sternsinger auf den Weg zu den Menschen machen, haben umso mehr unseren Respekt und unseren Dank verdient.  

Am 6. Januar feiern wir in der der Kirche das Fest der Heiligen 3 Könige, unsere orthodoxen Mitchristen feiern an diesem Tag das Weihnachtsfest. 

Christus, der Retter der Welt, ist als Kind auf die Welt gekommen. Wie geht es Kindern heute? Das Hilfswerk der Sternsinger richtet in diesem Jahr seine Aufmerksamkeit auf die Kinderarbeit in Indien und weltweit. Kein Kind sollte zur Arbeit gezwungen sein, auch in Indien ist Kinderarbeit gesetzlich verboten. Doch wovon soll die arme Familie leben, wenn die Kinder nicht mitarbeiten? Wie das Gas für die Heizung oder das Essen bezahlen? Im Film von Willi Weitzel, bekannt aus „Willi will‘s wissen“ vom Fernsehen, haben unsere Kinder gesehen wie die 8- jährige Neetu (gesprochen „Nitu“) täglich von fünf Uhr morgens bis acht Uhr abends bunte Glasringe für Modeschmuck schmilzt. Das ist nur ein Beispiel, andere Kinder arbeiten als Teppichweber, auf Kaffeeplantagen und sogar im Steinbruch. Kein Kind sollte so leben müssen.

Kinder helfen Kindern. Wie die weisen Könige haben sich die Kinder schlau gemacht, informiert und sind nun auf dem Weg. Als Sternsinger bringen sie nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern den Segen Gottes in die Häuser und Wohnungen. Ihre Spenden die sie den Sternsingern geben, werden zu den Geschenken für die Kinder von heute. Das Hilfswerk der Sternsinger setzt sich ein für „Faire Löhne“, damit das Geld der Eltern für die Familie zum Leben reicht und die Kinder Zeit zum Spielen haben. Es setzt sich ein für Schulprojekte, damit Neetu und ihr Freunde lernen können. Neetu möchte Ärztin werden. Ihr Vater ist durch die giftigen Dämpfe bei der Arbeit gestorben. Das Hilfswerk setzt sich ein für Selbsthilfegruppen, in denen die Mütter mit zinslosen „Mini - Krediten“ kleine Geschäfte aufbauen können. Die Armen brauchen nicht unsere Almosen, sie brauchen eine gerechte Welt. Dafür ist Gott selbst als hilfloses Kind in der Krippe Mensch geworden.

Unsere Sternsinger Kinder sind echte Helden, die mit ihren Eltern und Helfern ihre Freizeit opfern um den Segen zu bringen und die Welt zum Guten zu verändern. Es sind nicht so viele, dass sie überall sein können. 

Gott und sein Segen jedoch sind überall dort, wo Menschen füreinander eintreten.


Pfarrer Simon Graef

im Chattengaukurier am 10. Januar 2018



Novembernebel

„Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht." 

1 Korinther 13,1


Der November hat bei vielen ein schlechtes Image: grau, nasskalt, Totenmonat. Die Natur legt sich zum Winterschlaf, der Sommer ist vorbei die Ernte eingebracht. Auch viele Menschen denken an das, was vergangen ist: Die katholischen Christen beginnen den Monat mit Allerheiligen und Allerseelen, evangelische Christen denken am Monatsende mit dem Totensonntag an ihre lieben Verstorbenen. Dazwischen liegen mit dem Volkstrauertag und dem Buß- und Bettag weitere Gedenktage. Der Novembernebel tut sein Übriges. Er hüllt alles ein, schluckt Geräusche. Der Nebel verbirgt aber auch Unzulänglichkeiten, grelles Licht wird gedämpft und milde. Sicher, man kann nicht weit sehen, manches auch leicht übersehen. Es ist eine geheimnisvolle Stimmung. Was bringt die Zukunft? 

Nutzen Sie den November zum Innehalten, als eine Zeit des sich Erinnerns. 

Allerheiligen, da gibt es den Heiligen Martin, der seinen Mantel teilt, die Heilige Elisabeth, die Brot verteilt und in Marburg ein Hospital betreibt. 

Das sind die Heiligen, die jeder kennt. „Aller“ Heiligen soll aber gerade an die Heiligen erinnern, die im Nebel der Erinnerung nur noch verschwommen durchscheinen, deren Namen keiner mehr kennt - außer Gott. Die Heiligen des Alltags, wie die Pflegerin, der aufmerksame Lehrer, die einsatzbereite Ärztin, jemand, der einfach da ist und zuhört. An Allerseelen und am Totensonntag denken wir an die Verstorbenen in der eigenen Familie, im Bekannten und Freundeskreis. 

An das Schöne erinnert man sich gern, Unzulänglichkeiten verschwimmen im Novembernebel. Es ist eine Zeit des Innehaltens und der Neubesinnung, eine Zeit des Wartens. Am letzten Sonntag im Kirchenjahr feiert die evangelischen Kirche den Ewigkeitssonntag, in der katholischen Kirche ist der Christkönigssonntag. Zwei konkrete Sichtweisen auf den einen Christus. Es ist die Botschaft vom ewigen Leben, das nicht von Menschen gemacht, sondern von Gott geschenkt wird. Die Kerzen auf dem Grab verschwimmen im Novembernebel, das Licht am Adventskranz bricht sich langsam Bahn. 


„Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht."


Pfarrer Simon Graef

im Chattengaukurier am 23.11.2017



„Du führst mich hinaus ins Weite“

Unter diesem Wort aus Psalm 18 steht in diesem Jahr der Monat der Weltmission. Manche werden sich fragen: 

Ist christliche Mission überhaupt noch zeitgemäß? Darf das sein? 

In meiner Erinnerung an die Schulbildung in der DDR waren „die Missionare“ immer die Bösen, die Unterdrückung und 

zwangsweise Taufen nach Afrika und Südamerika brachten. „Du führst mich hinaus ins Weite“ kann dann 

die Sendung der Glaubenseiferer in die weite Welt bedeuten. 

Aber ist das gemeint? 

Im Psalm heißt es „Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir gefallen“ 

(rev. Einheitsübersetzung 2017) 

Es geht also gerade nicht um Unterdrückung, sondern um Befreiung, „denn er hatte an mir gefallen“. 

Der Herr führt „hinaus ins Weite“ aus den täglichen Zwängen von denen wir als Menschen umgeben sind. 

Jeder Mensch hat seine eigene Würde und verdient es mit Respekt behandelt zu werden. 

Der Herr hat an mir, an jeder und jedem von uns gefallen - und zwar so wie wir sind. 

Als Menschen haben wir von Gott her von Beginn an eine Würde, die uns niemand nehmen kann. 

Ist das nicht ein frohe Botschaft, die es verdient „missionarisch“ verbreitet zu werden:

Den Anderen annehmen und akzeptieren wie er ist und damit auch mich selbst? 


Papst Franziskus fragt in seiner Botschaft zum Weltmissionssonntag 2017: „Was ist das Herz der Mission?“ 

Es ist die Frohe Botschaft vom auferstandenen Christus, der uns auch heute seinen lebenspendenden Geist mitteilt. 

Der heilige Kirchenvater Irenäus meint: „Die Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch“. Damit ist der auferstandene 

Mensch Jesus Christus gemeint, aber auch jeder Mensch den Gott nach seinem Bilde geschaffen hat. 

Mission der Kirche ist nicht Verbreitung von religiöser Ideologie oder Ethik. Hohe Ideale und beachtliche Ethik 

verbreiten viele Bewegungen und Vereine. 


Nach Papst Benedikt XVI. steht am Anfang des Christseins die Begegnung mit einer Person, mit dem lebendigen Christus

Kirche lebt, wenn Menschen tätig sind wie der barmherzige Samariter. Jesus begegnet uns in den Leidenden 

und Hilfsbedürftigen unserer Tage. Er leidet mit in den Menschen in Burkina Faso, dem Beispielland des Missionssonntag, 

genauso wie in unserem reichen Land in den Menschen, die auf die Hilfsangebote der Tafeln angewiesen sind. 

Papst Franziskus meint „die Welt ist auf das Evangelium Jesu Christi angewiesen.“ 

Durch die Menschen in seiner Kirche führt Christus seine Mission als guter Hirt weiter. 

Trotz aller Fehler und der Gefahr, sich dabei schmutzig zu machen, sind wir hinausgerufen aus der Bequemlichkeit 

der Kirchenbänke auf die Straßen der Welt, denn „Du führst mich hinaus ins Weite“.


Pfarrer Simon Graef

An(ge)dacht am 12.10.2017


Ihr aber, für wen haltet ihr mich? – Jesus enttäuscht seine Jünger

Im Matthäus-Evangelium wird von einem Ausflug von Jesus mit seinen Jüngern nach Cäsarea Philippi berichtet. 

Dort wurden der Tempel des Pan, Nymphentempel und andere Götter verehrt. Der Name Cäsarea Philippi huldigt 

dem Kaiser Cäsar und seinem Statthalter Philippus. Geistliche und weltliche Macht sind an diesem Ort präsent. 

Gerade dort fragt Jesus seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet Ihr mich?“ 

Viele kennen die Antwort des Simon Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ 


Doch wer ist dieser Jesus für uns heute, spielt er, spielt Gott eine Rolle in unserem Leben? Und was ist eigentlich ein Messias? 

Ein Ballzauberer der das Führungstor beim Fußballspielt erzielt, also ein Fußballgott oder der Arzt, der auch die schlimmste 

Krankheit heilen kann, ein wunderheilender Gott in Weiß? Jesus erklärt, er werde viel leiden müssen, getötet werden, 

aber am dritten Tag auferstehen. Petrus kann es nicht fassen, ist entsetzt, der Herr soll sterben? 

Niemals darf dies geschehen! Petrus ist enttäuscht und wird von Jesus scharf zurecht gewiesen.

 

Machen auch wir uns ein eigenes Bild von Jesus oder können wir annehmen was die Bibel uns zumutet? 

Einen Messias, der gerade im Leiden bei uns ist, der eine Auferstehung verkündet, die für uns unbegreiflich bleibt. 

Sein Name ist Programm, ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.


In diesen Tagen lag die Wahlbenachrichtigung im Briefkasten - bald sind Bundestagswahlen in Deutschland. 

Früher hat der Pfarrer klare Anweisung gegeben, wer zu wählen ist. Zum Glück sind diese Zeiten vorbei. 

Die Wahlplakate sind bunt und vielfältig wie das Leben. Oft ist es ähnlich wie in der Bibel. Eine Person stellt sich zur Wahl, 

auf dem Plakat ist nicht viel mehr als ein Slogan, den man erst noch mit Inhalt füllen muss. 

Schauen Sie also genauer hin als Simon Petrus für was oder wen Sie sich entscheiden. 

Letztendlich hat sich Petrus für Jesus entschieden und die Folgen getragen. Er war dabei als Jesus Gutes tat, 

er hat sich versteckt als Jesus starb, der auferstandene Jesus hat sich ihm gezeigt. 


Bei den Wahlen steht Ihre Entscheidung an. Es geht nicht um Leben und Tod. Die Folgen werden aber unser alltägliches Leben beeinflussen. 

Schauen Sie genau hin und informieren sie sich. Im Matthäus-Evangelium steht der Rat: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen

In Cäsarea Philippi gab es ein Auswahl an Göttern, das sind Politiker sicher nicht. Sie sind aber Menschen, die sich voll und ganz 

für ihre Sache einsetzen. Finden Sie heraus, welche Sache das ist und entscheiden sie sich. 

Für wen halten Sie die Kandidatin / den Kandidaten?


Pfarrer Simon Graef

im Chattengaukurier am 31.8.2017


Auszeit

„Und Jesus stieg mit seinen Jüngern in ein Boot und fuhr an das andere Ufer des Sees“. So oder mit ähnlichen Formulierungen wird in der Bibel einige Male ausgedrückt, wenn Jesus sich eine Auszeit nehmen möchte. Er ist dabei nie allein, denn in der Regel sitzen die Jünger mit im Boot. Urlaub machen bei einer kleinen Schiffsreise. Der See Genezareth ist vergleichsweise nicht sehr groß, mit 21 km Länge sogar kürzer als der Stausee Edersee, der immerhin 28 km lang ist. Dafür ist der See Genezareth mit 13 km Breite etwa 10-mal so breit wie der Edersee, der bringt es nur auf 1,2 km Breite. 

Eine kleine Auszeit nehmen nach der Mühe des Tages. Das haben sich Jesus und seine Jünger damals vorgenommen. 

Wer viel Arbeit hat braucht auch Zeit zum Ausruhen. Dabei war es gar keine schwere Arbeit im heute üblichen Sinne. Jesus und die Jünger haben von Gott erzählt. Sie haben sich Zeit genommen für andere Menschen da zu sein. Offen sein für andere ist auch anstrengend, gerade wenn es der andere gar nicht bemerkt. Damals haben die Jünger Krankheiten geheilt, heute geschieht auch Heilung, wenn Familienmitglieder 24 Stunden am Tag füreinander da sind. In der Fürsorge der Eltern für ihre Kinder und später im Leben in der Fürsorge der erwachsenen Kinder für ihre Eltern am Lebensabend. 

Dieses Füreinander-da-sein ist notwendig und macht menschliches Zusammenleben erst möglich. Es ist auf Dauer sehr anstrengend. Wie schön wäre es da, einfach in ein Boot zu steigen, an das andere Ufer des Sees zu fahren und die Ruhe zu genießen. Als Jesus und die Jünger losfuhren, sind die Menschen los gelaufen und waren vor ihnen da. Heute würde man sagen, der Stress ging sofort weiter. 

Dennoch ist es ihm manchmal gelungen sich zurück zu ziehen, in die Stille und das Gebet, in das Gespräch mit Gott. Gelungen ist es immer dann, wenn die Hilfesuchenden selbst aktiv wurden. Auf die Bitte nach Brot, fragt Jesus, was schon da ist und teilt das Brot aus, welches ein kleiner Junge mitbrachte. 

Er nimmt das vorhandene Brot und es reicht für alle. 

Schenken Sie denen, die ihnen helfen etwas freie Zeit. Es muss nicht die große Kreuzfahrt sein, 

ein freier Tag mit Rundfahrt auf dem Edersee kann auch so eine Verschnaufpause sein. 


Pfarrer Simon Graef

im Chattengaukurier am 20.7.2017



„...Schau an der schönen Gärten Zier...“

Man kann sich gar nicht satt sehen. Alles grünt, alles blüht. Wie schön ist es, abends wieder länger im Garten zu sitzen oder gemeinsam in Park oder Schwimmbad das schöne Wetter zu genießen. Menschen verlassen ihre Häuser und gehen aufeinander zu, sie feiern und singen zusammen. Der Frühling ist eine Zeit der Freude und unser Herz will dieser Freude Ausdruck verleihen.


Die große Gnade und Güte Gottes, die sich in der Schönheit der Schöpfung zeigt, ist für uns Christen auch Anlass und  Aufforderung, mit dieser Schöpfung sorgsam umzugehen, sie zu hüten und zu bewahren. 

Dazu bedarf es aber zunächst der Versöhnung zwischen den Menschen, damit das Leid und der Tod und die Gewalt in der Welt endlich ein Ende haben. 

Jesus spricht: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. (Joh 13,34f)

Beim evangelischen Kirchentag betonten die Vertreter der Konfessionen diesen Auftrag Jesu: „Wir wollen den Weg gemeinsam gehen. Wir wollen Freundinnen und Freunde in Christus sein“. Christus führt uns zusammen und damit werden wir frei den Gott zu verkünden, „der sich in unendlicher Liebe verschenkt und uns Wege der Heilung und der Versöhnung zeigt“. Dann können wir die „Kraft der Liebe Gottes in unserem Leben bezeugen und sie selbst ausstrahlen, dann können wir diese Gesellschaft erneuern, dann können wir den Glauben und die Liebe neu in die Welt hineintragen.“ Das ist unsere Identität.


Fronleichnam und Reformationsfest müssen uns nicht mehr trennen. Sie helfen, bei aller Vielfalt in Gottes Garten uns auf das gemeinsame christliche Erbe zu besinnen. „Die Christen in unserem Land bekommt man nicht mehr auseinander“. 

„Ja, wir wollen zusammenkommen!“


Stefan Schmitt, Sprecher des Pfarrgemeinderates der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde 

(Chattengaukurier - An(ge)dacht 8.6.2017)




Gott sagt JA zum Leben, tun wir es auch

Ostern ist für viele vorbei, abgehakt. Jetzt wird der Sommer geplant oder der Garten ruft. Es ist schön den Frühling zu genießen und sich auf den Sommer zu freuen. Das Osterfest ist jedoch lange nicht vorbei, sondern hat gerade erst begonnen. Die Christen feiern 50 Tage bis Pfingsten jeden Tag Ostern. Doch was heißt das eigentlich? Da wird eine Auferstehung behauptet, die schon 2000 Jahre zurückliegt. Eigentlich hat niemand die Auferstehung gesehen, nur ein leeres Grab. Dennoch hat es seitdem die Welt verändert. 

In der Bibel lesen wir die Emmaus Erzählung. Zwei Männer sind unterwegs und verstehen die Welt nicht mehr. Sie gehen nach dem Tod ihres Anführers Jesus Christus fort von Jerusalem. Sie sind allein und traurig. Da geht plötzlich jemand mit ihnen, sie wissen nicht, wo er herkommt, aber er hat Zeit für ihre Sorgen und Nöte, hört zu, nimmt sie ernst. Erst am Ende des Tages, beim Abendessen, da erkennen sie ihn an der Art, wie er das Brot bricht. Jesus selbst ist bei ihnen. Er ist nicht tot, das Leben hat gesiegt. 

Vom 29. April bis 6. Mai 2017 ist die ökumenische Woche für das Leben unter dem Motto: „Kinderwunsch Wunschkind Designerbaby“. Ostern ist noch nicht vorbei, nicht vor 2000 Jahren und auch nicht zu Pfingsten. Ostern ereignet sich, wo sich Menschen für ein menschenwürdiges Leben einsetzen. Am Ende des Lebens vielleicht einfach den Sterbenden zuhören und die Hand halten; den demenzkranken Menschen immer noch als Menschen lieben. Am Beginn des Lebens Perspektiven suchen in einer Welt, die immer komplizierter scheint und ja sagen zu einem Neugeborenen, ihm Liebe schenken. 

Die Woche für das Leben weicht schwierigen Fragen nicht aus. 

Hat jede Familie das Recht auf ein eigenes Baby oder bleibt neues Leben nicht doch ein Geschenk von Gott? Jedes Leben hat seine Würde und verdient geliebt zu werden. Wieweit darf Medizin gehen? Wird es irgendwann keine Babys mit „Fehlern“ mehr geben? Macht sich strafbar, wer der Umwelt ein behindertes Kind zumutet, weil er kein künstliches Retortenbaby wollte, sondern ein geschenktes Leben annimmt wie es ist? Fragen, auf die es keine leichten Antworten gibt. 

Es gibt jedoch das bedingungslose „JA“ zum Leben. Gott hat dieses Ja in der Auferstehung seines Sohnes zu uns gesprochen. Viele Fragen bleiben und doch ist jedes Leben immer auch ein Wunder!

Vielleicht treffen Sie in einem lieben Menschen Christus, der ein Stück des Weges mit Ihnen geht, Ihre Fragen, Ihr Leben mit Ihnen teilt, immer wieder, jeden Tag.


Ihr Pfarrer Simon Graef 

im Chattengau-Kurier am 27.4.2017


Die Welt ist voller Ideen – Lass sie wachsen

Freuen Sie sich auch schon auf den Frühling? 

Im Pfarrgarten in Gudensberg hat sich einiges geändert, alte Bäume mussten weichen damit Neues wachsen kann. Die Veränderung erfüllt auch mit Wehmut. Der Wanderfalke im Garten sucht einen neuen Startplatz, die Tauben und Spatzen haben sich schon auf dem Apfelbaum eingerichtet. Der ehemals kleinste Baum ist jetzt der Größte. 

Wie wird er sich entwickeln? Die Natur erwacht, man kann es förmlich mit Händen greifen wie alles neu aufstrebt. Auf den Feldern und in den Gärten laufen die Vorbereitungen für die neue Saison.  


Die Kirche macht da keine Ausnahme, gerade weil Christen jetzt die Fasten- bzw. Passionszeit begehen. 

Oft wird diese Zeit mit Verzicht gleichgesetzt. Das ist auch nicht falsch. Wer auf bestimmte Dinge 

verzichtet, wird frei für Neues. So verstehe ich auch die Fastenaktion von Misereor: 

„Die Welt ist voller Ideen. Lass sie wachsen“. 

Als Beispiel wird Burkina Faso in Westafrika genannt. Ein Land unter den Ärmsten der Welt. 

Die Menschen dort haben ihre Würde und unvorstellbar viele kluge Ideen wie sie ihr Leben gestalten möchten. 

Die Partner von Misereor vor Ort sind beeindruckt von der Innovationskraft afrikanischer Bäuerinnen und Bauern, 

die mithilfe traditioneller und moderner Methoden natürliche Mittel gegen Schädlinge und Krankheiten entwickeln. 

Sie brauchen keine in Europa entwickelten Pestizide und Waffen, sie brauchen fairen Handel. 

Sie brauchen die Freiheit ihre Ideen wachsen zu lassen. Darauf zielt die Fastenaktion. 

Das Hungertuch in den katholischen Kirchen macht darauf aufmerksam. Keine um Almosen bettelnden Menschen, 

sondern Persönlichkeiten mit einer Würde, die erwarten, dass man ihnen in die Augen schaut, 

sie als Gleichberechtigte wahrnimmt und auch so behandelt. Ideen wachsen lassen ist eine Herausforderung. 

Es werden dann nicht die Ideen umgesetzt, die wir für die besten halten, sondern die Andere für sich entwickelt haben. 

Das ist durchaus ein Verzicht und damit auch ein Fasten. Die Unterstützung ist umso wichtiger, aber keine Bevormundung.  


Die erwachende Natur im Frühling macht es uns vor. Es wächst, blüht und gedeiht. Der Gärtner wird gießen und düngen, 

aber wachsen müssen die Pflanzen selbst, jede nach ihrer Art. So hat uns auch Gott die Erde anvertraut. 

Gott vertraut unseren Ideen, damit das Himmelreich wachsen kann.


Ihr Pfarrer Simon Graef 

im Chattengau-Kurier am 16.3.2017

Ein Licht für die Welt

Weihnachten ist längst vorbei, Krippe und Weihnachtsbaum sind weggeräumt. Der Alltag hat uns wieder und viele 

sind gefangen im täglichen Hamsterrad. Für die Abiturienten beginnt die heiße Phase der letzten Vorbereitungen 

und der ersten Prüfungen. Andernorts laufen sich die Karnevalisten warm für die Kampagne, um für einige Stunden 

dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen und in eine neue Rolle zu schlüpfen.

40 Tage nach dem Fest der Geburt Christi blickt die Kirche noch einmal voll Andacht auf das kleine Kind. 

Am 2. Februar ist das Fest der Darstellung des Herrn, bekannter als Mariä Lichtmess. Nach dem Lukasevangelium, 

aus dem auch die Weihnachtsgeschichte gelesen wird, kommen Maria und Josef zum ersten Mal mit ihrem Kind in den Tempel. 

Sie wollen Gott danken für die Geburt und das Kind dem Herrn darstellen. Als Erstgeborener gehört Jesus Gott. 

Seine Eltern verpflichten sich, ihn gottesfürchtig zu erziehen. 

Was wird wohl aus dem Kind werden?

Der alte Prophet Simeon hat schon lange im Tempel gewartet. Er sieht das Kind und prophezeit: 

Da kommt das Licht für alle Völker. Viele kommen durch ihn zu Fall und er wird viele aufrichten. 

Jesus wird als Erwachsener Widerspruch auslösen. Er nimmt die Gebote ernst, denn diese ermöglichen das Zusammenleben, 

aber er betont: die Gebote dienen den Menschen und sind kein Selbstzweck. Jesus dient Gott und damit den Menschen. 

Er heilt Kranke auch an dem Tag, wo es verboten ist.

Die Hilfe füreinander, die Gnade Gottes ist das Licht, das er zu uns Menschen bringt. 

Der Prophet Simeon spricht von Frieden. In der Begegnung mit Jesus findet Simeon seinen Frieden. 

Einen Frieden, der über diese Welt hinaus zeigt. 

Maria wird ihren Sohn schmerzlich verlieren, das wird nicht verschwiegen. Simeon prophezeit ein Schwert, das durch die Seele dringt. 

Der Glaube schütz nicht vor den Mühen und Sorgen des menschlichen Lebens, aber die Orientierung an dem Licht, 

das Christus gibt, kann Halt und Richtung sein.Im Alltagsgetriebe kurz innehalten, aufschauen: 

Wo ist da jemand, der für mich das Licht sein kann, der mir die komplizierte Formel der nächsten Abi-Klausur erklärt, 

auf die Kinder aufpasst wenn alles zu viel wird, der mich zur Prunksitzung des Karneval einlädt oder der am Krankenbett wacht - 

oder kann ich vielleicht selbst so ein Licht bringen? 

Das Licht und den Frieden finden wir nur im Zusammenleben. Vielleicht ist Jesus, ist Gott deshalb Mensch geworden, 

hat gefeiert bei der Hochzeit in Kana, hat gestritten mit den Gelehrten, ist gestorben am Kreuz und auferstanden 

in einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. 

Der Blick auf Gott kann einen inneren Frieden schenken, eine Garantie gibt es nicht.


Pfarrer Simon Graef 

im Chattengau-Kurier (2.2.2017)


Kummer und Seufzen entfliehen (Jes 35,10)

Still ist für die meisten von uns der Advent nicht. Es gibt in Beruf und Familie viel zu regeln, zu organisieren und noch vor Weihnachten zu erledigen.  

Auch die Busse zu den Weihnachtsmärkten der Umgebung quellen am Wochenende über. Ist man endlich am Ziel angekommen, drängt man sich zwischen den Verkaufsständen und  Glühweinbuden oder verbringt viel Zeit beim Anstehen am Weihnachtskarusell. Irgendwie braucht das niemand so wirklich!

Wieso zieht es uns, wie so viele Menschen, alle Jahre trotzdem wieder dorthin: zu Mandel- und Glühweinduft, zu Weihnachtsschmuck und Kerzenschein. Die Suche nach dem ultimativen Geschenk oder der Konsum von Weihnachtspezialitäten scheinen mir nicht der letzte Grund zu sein.

Ich glaube, wir sind auf der Suche nach einer tieferen Erfahrung von Frieden und Freude, die uns die Welt trotz aller Anstrengung und Hetze nicht wirklich dauerhaft geben kann, an die uns die Adventszeit aber jedes Jahr wieder erinnert.

Ich glaube, wir sehnen uns danach, dass sich endlich die Verheißung des Propheten Jesaja erfüllt (Jes 35) und die blinden Augen und tauben Ohren sich öffnen:

Dass wir wieder lernen, wahrhaftig miteinander zu sprechen und uns gegenseitig  zuzuhören und nicht emotional postfaktisch aneinander „vorbei zu twittern und zu posten“, 

dass wir daran denken, achtsamer mit unserem Nächsten umzugehen,

dass wir frei werden, mit neuem Mut furchtlos in unserem Alltag für eine bessere Welt und einen liebevollen Umgang miteinander einzutreten.

„Die vom Herrn Befreiten kehren zurück ... ewige Freude ruht auf ihren Häuptern. Wonne und Freude stellen sich ein, 

Kummer und Seufzen entfliehen“ (Jes 35,10).

Die geschmückten Stände, die freundlicheren Menschen, die Vorfreude auf Weihnachten lassen uns ein Stück vom diesem neuen Himmel und dieser neuen Erde erahnen. Machen wir etwas daraus!


Stefan-Josef Schmitt, Sprecher des Pfarrgemeinderates (12.12.2016)



Advent - Zeit der Erwartung

Advent bedeutet „Ankunft“, Christen warten auf die Ankunft von Jesus Christus. Wird Advent heute noch mit Ankunft in Verbindung gebracht? Kindern soll das Warten auf das Weihnachtsfest mit einem Adventskalender erleichtert werden. Viele warten auf die Bescherung die Geschenke am Heiligen Abend. Es gibt Weihnachtsmärkte in denen Geschenke gekauft werden oder man genießt die Zeit bei Glühwein und leckerem Essen. Die Märkte sollten Adventsmärkte heißen, denn Weihnachten beginnt erst am 24. Dezember. Worauf warten Sie? Manche warten neben den Geschenken auch auf den Besuch der Familie, viele sind weit weg, Weihnachten sind endlich alle zu Hause. Bei Maria und Josef war es gerade anders, weit weg von zu Hause, unterwegs in Bethlehem, bekam Maria ihr erstes Kind Jesus. Sie hörte die Botschaft des Engels und stellte sich in den Dienst Gottes. In Erwartung ihres Kindes war sie mit Josef auf die Reise gegangen. Zunächst hat die junge Familie eine schwere Zeit erwartet, sie mussten in der Fremde füreinander sorgen. Advent ist die Zeit der Erwartung. Vielleicht sind es Geschenke die ankommen, vielleicht lieber Besuch, vielleicht begegnen Sie Menschen die Hilfe brauchen. Weihnachtsmärkte unterstellen, es ist alles schon da, ich muss es nur kaufen. Advent wartet auf die Ankunft, ist die Zeit der Vorbereitung. Ich wünsche Ihnen Zeit für die Vorbereitung, auf die Aufgabe die sich ihnen stellt und auf des Fest Weihnachten, wenn Gott Mensch wird, zu Hause und unterwegs.


Pfarrer Simon Graef

Katholische Kirche Gudensberg im Chattengaukurier (28.11.2016)



„Man soll die Christen ermutigen, Jesus Christus nachzufolgen“

Mit dieser Zusammenfassung schließen die 95 Thesen die Pater Martin Luther, ein römisch-katholischer Priester und Augustiner-Mönch an seinen Dienstherrn, den Erzbischof von Mainz und Magdeburg sandte. Der Erzbischof hatte es nicht nötig, auf den Brief dieses unbedeutenden Wittenberger Professors der Theologie zu reagieren. An den Folgen dieser Ignoranz auf die berechtigten Forderungen Martin Luthers durch die Bischöfe und den Papst leidet die gespaltene Christenheit noch heute, 500 Jahre später. Luther waren seine Anliegen so wichtig, er ging an die Öffentlichkeit. Ohne Internet und Tageszeitung erschienen seine Anregungen zur Diskussion an den Türen der Wittenberger Kirchen für jeden lesbar. Die Menschen hat es interessiert und aufgewühlt, nicht nur Pater Martin trieb die Frage um „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“, muss ich Ablassbriefe bezahlen um Gott gnädig zu stimmen? Vieles hat sich seitdem zum Besseren gewendet, wenn auch unter großen Schmerzen und Leid auf allen Seiten. Wenn für die Menschen wichtige Anliegen ignoriert werden, sind diese trotzdem da und brechen sich Bahn. Heute gibt es keinen Ablass-HANDEL mehr um Gott gnädig zu stimmen. Es gibt jedoch in den Kirchen unterschiedliche Auffassungen ob ein Ablass nötig ist, also ob einem Gläubigen von einem Amtsträger gesagt werden darf, dass Gott auf seine Bestrafung für vergebene Sünden verzichtet. Den letzten Satz haben Sie jetzt nicht verstanden und interessiert sie eigentlich auch herzlich wenig? Genau da sehe ich den Punkt, hat Gott für unsere Welt von heute für Ihren Alltag noch eine Bedeutung? Martin Luther wollte Christus, seine erlösende Botschaft, wieder in den Mittelpunkt stellen. Christus wurde von der Kirche seiner Zeit verdeckt. Die Kirchenspaltung kann Christus ebenfalls verdecken, die werden sich untereinander nicht mal einig. Verschiedene Konfessionen sind für mich der unterschiedliche Blick auf den einen Christus, um verschiedene Menschen mit der frohen Botschaft bekannt zu machen. Heute verdecken Halloween und Spaßgesellschaft den Blick auf Gott. Wenn Gott aber Bedeutung hat für die heutige Welt, dann sollte es möglich sein diese Bedeutung erlebbar und spürbar zu machen. Das kann nur gemeinsam gelingen. So feiere ich als katholischer Pfarrer gern im 500-ten Jahr der Reformation mit Ihnen ein Christusfest.


Pfarrer Simon Graef im Chattengau-Kurier (31.Oktober 2016)



Gott - wer bist Du?

Sommer, Sonne, Ferienzeit, wer denkt da noch an Gott? Eine gute Freundin in meiner ostdeutschen Heimat sagte mir einmal: „Ich werde erst beten wenn es mir wirklich schlecht geht!“. Brauchen moderne Menschen also Gott nur als Lückenbüßer wenn sonst nichts mehr hilft? Wenn Menschen aus anderen  Kulturen zu uns kommen sind einige von ihnen erstaunt, dass unser christlicher Gott so wenig präsent ist im Alltag. Im Extremfall meinen einige wenige, die sich für die einzig wahren Gläubigen halten, sie müssten ein todsicheres Zeugnis ablegen. Aus Zeugnis wird im altgriechischem abgeleitet das Wort: Martyrium, ein Mensch bezeugt die Wahrheit durch Hingabe seines Lebens. Für die einzige göttliche Wahrheit gebe ich mein Leben und wer nicht glaubt muss dran glauben und mit mir sterben, ob er will oder nicht! Kann Gott das wollen? Was ist das für ein Gottesbild, was für eine Vorstellung von Gott?!

Man könnte meinen Gott ist tatsächlich so, wenn sie im Urlaub eine barocke bayrische Kirche betreten kann es geschehen, das das Erste was sie am Eingang sehen ein Mensch ist der schreckliche Qualen leidet. Oft eine Darstellung des leidenden Heilands Jesus Christus oder ein heiliger Märtyrer im Todeskampf. Aber diese christlichen Märtyrer haben ihr Leiden nicht gesucht und reißen auch keine Unschuldigen mit in den Tod. Sondern sie erdulden die Konsequenzen ihres Glaubens den eine feindliche Umwelt nicht versteht. Bis heute hat sich daran wenig geändert, unsere Situation in Europa ist weltweit die Ausnahme. Die christliche Haltung der Nächstenliebe hat sich über die Jahrtausende erst durchsetzen müssen, es gab und gibt innerhalb der Kirche auch falsche Entwicklungen. Ist Gott heute bedeutungslos weil IHN in Europa kaum noch jemand kennt? Welches Bild haben Sie von Gott? Ein harmloser Opa auf einer Wolke oder ein jugendlicher Wanderprediger der für seine Ideale am Kreuz gestorben ist weil er eben kein Schwert gezogen hat? Obwohl der jugendliche Eiferer Simon Petrus es mit dem Schwert versucht hat. Die christlichen Ideale stecken viel mehr in unserer Wirklichkeit als wir erkennen. Oder ist Glaube Ihnen egal? Dann haben andere Märtyrer leichteres Spiel. Gehen Sie auf die Suche nach Spuren von Gott, er ist da, in den Menschen, in Sonne, Wind und Wasser. Gott ist ein Gott des Lebens, übrigens in allen Religionen. Geben Sie ein freudiges lebendiges Zeugnis, dann bleibt für das andere kein Raum.


Pfarrer Simon Graef im Chattengau-Kurier (11.8.2016)



Ihr seid zur Freiheit berufen

Endlich Urlaub! Endlich frei! Einmal Im Jahr seine Freiheit genießen! Frei vom Druck und den Verpflichtungen des Alltags seinen eigenen Gedanken und Interessen nachgehen. - Freiheit ist das Thema dieser Tage auch in der großen Politik. Der „Brexit“, die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, wurde von der Mehrheit der englischen Bevölkerung als ein großer Akt der Befreiung gefeiert. Bei der privaten Urlaubsgestaltung so wie bei der Politik bleibt das gleiche Problem: Was fängt man mit der neu gewonnenen Freiheit an? Wie kann man sie sinnvoll nutzen und ausgestalten?

Das Gleichnis Jesu vom guten Vater (LK 15,11ff) erzählt von einem Sohn, der seine Freiheit zu gewinnen sucht, indem er sein Erbteil nimmt und geht. Fern der Heimat und der Familie will er endlich ein freies selbstbestimmtes Leben führen. Wir wissen, wie es ausgeht. Am Ende hat der verlorene Sohn sein Vermögen verspielt. Er schafft es nicht, seine Freiheit sinnvoll zu leben. Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet!

Im seinem Brief an die Galater (Kap. 5,13) analysiert Paulus das Problem: „Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder (und Schwestern). Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, ...“ Paulus hält unserem Freiheitsstreben einen Spiegel vor und fragt nach, worum es uns Menschen in unserem dauernden Drang nach Freiheit eigentlich geht. Geht es um mehr Lebensgenuss durch gesteigerten Spaß und Vergnügen, um mehr Macht, um mehr Geld oder Profit? Die Antwort findet Paulus in der Predigt Jesu Christi, der das eigentliche Ziel, das „Wozu“ der Freiheit benennt: Dient einander in Liebe!

Christen nutzen ihre neugewonnene Freiheit in der liebenden Hinwendung zur Schöpfung und zum Mitmenschen. Das macht uns glücklich und zufrieden und lässt auch den Urlaub gelingen. Das ist manchmal anstrengend, denn nicht selten erfahren wir ausgerechnet im Urlaub schmerzlich die Grenzen in unseren menschlichen Beziehungen. 

Aber wir wissen: Gerade in den schwierigen Situationen ist uns der stärkende Geist Gottes am nächsten. Er gibt uns immer neu die Kraft, ohne Angst freudig die Liebe zu leben, damit unser Alltag in Freiheit gelingt (Gal 5,22). Am Ziel unserer Bemühungen erwartet uns der gute Vater, um uns, wenn wir es wollen, verzeihend in die Arme zu schließen.


Stefan-Josef Schmitt, Sprecher des Pfarrgemeinderates (27.6.2016)



Sommersonnenwende

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen faszinieren Menschen die Sonne, Licht und Feuer. Am 21. Juni ist in unseren Breitengraden die Sommersonnenwende, der längste Tag und die kürzeste Nacht. Astronomisch beginnt jetzt der Sommer. In vielen Gegenden wird dieser Tag mit einem Sommerfeuer, einer Sonnenwendfeier begangen und auch bei uns werden jetzt viele Feste im Freien gefeiert. Mancherorts wird ein Johannesfeuer entzündet. 

Der Festtag des Heiligen Johannes des Täufers, sein Geburtstag, ist der 24. Juni. Zur Zeit der Entstehung des Festtages war dies der längste Tag des Jahres, durch die geringe Abweichung von astronomischem Jahr und Kalenderjahr kam über die Jahrhunderte die kleine Abweichung zustande. Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer, bis zum kürzesten Tag des Jahres in der Nähe des 24. Dezembers, dem Geburtstag von Jesus Christus. Schon jetzt zu Sommerbeginn weist Johannes der Täufer mit seiner Geburt auf Christus hin. Später wird er über sich selbst sagen, ich, Johannes, muss abnehmen, er aber, Christus, muss zunehmen. 

So hat dieser Tag eine tiefe Symbolkraft, wie das Feuer das entzündet wird. Das Licht und die Wärme kommen in die Welt und in die Herzen der Menschen.

Im Lukasevangelium heißt es: Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes hat uns besucht das aufstrahlende Licht aus der Höhe. 

Sommer, Sonne, Ferienzeit wenn sie sich gegenseitig besuchen und Freude schenken, dann ist Gott dabei. 


Pfarrer Simon Graef, Katholische Kirche im Chattengau (HNA: „Wort zum Sonntag" Samstag 18. Juni 2016)



Feiertage - Wozu das Ganze?

 In den letzten Wochen gab es einige verlängerte Wochenenden. Zunächst Christi Himmelfahrt, dann Pfingsten und vor kurzem Fronleichnam. Wenn man vom Herz Jesu Fest am kommenden Freitag absieht, ist damit in diesem Jahr erst einmal Schluss. Den nächsten kirchlich gestifteten freien Tag gibt es erst wieder zu Weihnachten. Zwischen Osterferien und Sommerferien liegt in Hessen diesmal eine lange Zeitspanne, und so haben viele Familien diese kurzen Auszeiten als „Mini-Ferien“ nutzen können. Ist das im Sinne des Erfinders? 

„Erfinder“ dieser Feiertage sind die die großen christlichen Kirchen. Jedes dieser Feste feiert ein besonders Glaubensbekenntnis. An Himmelfahrt denken Christen an die Aufnahme des Herrn im Himmel, Pfingsten an die Ausgießung des Heiligen Geistes und Fronleichnam feiert der katholische Teil die wirkliche Gegenwart von Christus mit Leib und Blut in der geweihten Hostie. Viele Menschen können heute nur noch wenig damit anfangen. Der Bezug zur heutigen Lebenswirklichkeit erscheint gering. Wäre es nicht besser, diese Tage einfach durchzuarbeiten, da sie ja keine Bedeutung haben? Mindestens könnten aber die Geschäfte offen bleiben, damit wenigstens Einige arbeiten für die Anderen, die frei haben. Es gibt viele Berufe, wo das ohnehin schon so sein muss, im Gesundheitswesen, in Pflegeberufen, in der Landwirtschaft und zum Beispiel muss auch für Strom und Internet gesorgt sein. Die Liste lässt sich beliebig erweitern und wird nicht vollständig. Deshalb auf die Tage zu verzichten, greift zu kurz. Die Feiertage sind eigentlich ein Geschenk für uns. Wenn es dann Familien, Freundeskreise und Vereine gibt, die diese Tage tatsächlich gemeinsam nutzen, dann ist das schon im Sinne des Erfinders, auch wenn ich als Pfarrer mich über die leere Kirche sorge. 

„Erfinder“ der göttlichen Geheimnisse ist nämlich Gott selbst, und er möchte das, was gut für uns ist. Viele Menschen müssen auch an Feiertagen für andere da sein, möglichst viele sollten aber gemeinsame freie Zeit haben. Nur dann ist Familien- und Vereinsleben möglich. Ein Schenker muss immer damit rechnen, dass der Beschenkte mit dem Geschenk, also dem Feiertag, umgeht, wie es ihm gefällt. Wem ich ein Auto schenke, dem kann ich nicht vorschreiben, wo er hinfahren soll. Es würde mich aber freuen, wenn ich gelegentlich zum Mitfahren eingeladen werde. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Gott freut sich besonders, wenn er Teil unseres Lebens sein darf. 


Pfarrer Simon Graef, Gudensberg (2.6.2016)



„Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst“ (Lev 19,34) 

Schon wieder das Thema Flüchtlinge und eigentlich haben wir mittlerweile genug davon. Wir wollen nicht mehr darüber reden, haben genug gehört, den Sinn der Sache verstanden oder das Problem gekonnt ignoriert. Wenn aber alles gut laufen würde, dann hätten wir nicht solche Wahlergebnisse und wir würden dieses Thema nicht immer wieder in unseren Gottesdiensten aufgreifen!

Schlagen wir in der Bibel nach, finden wir jede Menge Geschichten zum Thema Flucht. Auch in den Lesungen der Osternacht hören wir wieder, wie es den Israeliten in Ägypten ging. Es ist nicht anders als heute in Syrien. Wir kennen aus dem Neuen Testament das Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter (Lk 10,29ff). Wir verstehen die Situation: „Sei barmherzig!“ ruft er uns zu. Doch das ist nicht so einfach, denn jeder von uns ist unsicher. Wie soll und kann man sich engagieren? Manch einer traut sich nicht einmal vor einer Gruppe von bekannten Menschen zu sprechen. Wie dann Kontakt zu völlig Fremden aufbauen? Wie Menschen ansprechen, die anders aussehen, die eine andere Herkunft haben und die man vielleicht noch nicht einmal versteht?

 ... Indem man mutig ist!

Mutig ist man schon, wenn man über seine Ängste und Unsicherheiten redet. Es ist nicht schlimm, Angst zu haben, aber man kann sie überwinden. Und reden ist wirklich nichts Besonderes und allemal besser als Pegida-Parolen mitzugrölen. Man redet doch jeden Tag, mit der Familie, mit Freunden oder in der Schule. Man kann immer reden. Dieses Reden über die Angst macht uns bereit, den ersten Schritt zu gehen. Und mehr ist erst mal nicht wichtig, alles Weitere ergibt sich. Wer dabei Angst vor Überforderung hat, dem sei wieder das Gleichnis des barmherzigen Samariters ans Herz gelegt. Der Samariter übernimmt nicht die volle Verantwortung. Er bringt den Mann in eine Herberge und bezahlt für seine Versorgung. Er selbst kümmert sich nicht komplett um ihn. Er bereitet ihm nur den Weg. Und genauso sollten wir Wege bereiten.

Wir brauchen keine Angst zu haben, dass wir dieser Situation nicht gerecht werden. Es gibt genügend Leute, die besser ausgebildet sind als wir. Profes- sionelle Helfer, die uns beim Wegbereiten unterstützen und den Menschen in Not weiterhelfen.

Wir sollten, wie der barmherzige Samariter, mutig den ersten Schritt gehen. Das kann und darf uns nicht zu schwer sein.


Daniela Bäzol und Lea Waterkamp, Schülerinnen im Leistungskurs Religion (Kl.10) an der Ursulinenschule in Fritzlar. Auszug aus ihrer Ansprache zum Schulgottesdienst am Gründonnerstag. (7.4.2016)




Fürchtet euch nicht!

Auch diesmal haben viele das neue Jahr 2016 mit lautem Böllern und bunten Feuerwerksraketen begrüßt. Die größte Veranstaltung in Berlin lockte Zehntausende auf die Silvester-Partymeile vor das Brandenburger Tor. Feiern war angesagt und auch durch die verschärften Sicherheitsvorkehrungen ließ man sich die  gute Laune nicht verderben. Eigentlich war alles wie immer.

Manchem erscheinen solche lautstarken Partys wie das Pfeifen eines furchtsamen Kindes im dunklen Wald. Man lärmt, um von der eigenen Angst abzulenken, denn die Probleme des alten Jahres werden uns auch im neuen Jahr Sorgen bereiten. Ein Friede im Nahen Osten scheint weiter entfernt als je zuvor. Die Gewalt in Syrien nimmt zu. Flüchtende Menschen in großer Zahl suchen bei uns Asyl. Sind wir dem gewachsen? Ist unser Staat stark genug, den neuen Herausforderungen die Stirn zu bieten? Viele haben Angst, dass unsere Gesellschaft ihre eigene christliche Identität verliert.


In diese Situation trifft  der Ruf des Verkündigungsengels an die Hirten auf dem Feld: „Fürchtet euch nicht“, Immer, wenn Gott Kontakt mit uns Menschen aufnimmt, schickt er dieses „Fürchtet euch nicht“ voraus. Die Bibel weiß, dass Angst und Furcht keine guten Ratgeber sind. Angst vor der Zukunft birgt die Gefahr, dass wir die alten, früheren Zeiten verklären. Der größte Wunsch ist dann, dass alles so bleibt, wie es ist.  Das ist aber der sicherste Weg, die eigene selbstbestimmte Zukunft zu verspielen. Niemand, der seine Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes! (Lk 9,62).


Das Reich Gottes bricht an, wo wir unsere Furcht überwinden, die Ärmel hochkrempeln und für eine bessere Welt arbeiten. Es beginnt, wo wir im Mitmenschen, der in Not ist, Christus erkennen.

Es gibt sie auch bei uns, die guten  Beispiele: Sternsinger sammeln für Kinder in Not. Mitbürger spenden Kleidung für Menschen, die alles verloren haben. Ehrenamtliche organisieren die Versorgung von Flüchtlingen.

Wenn wir durch die Zuwendung zum Nächsten Gott in der Höhe die Ehre geben, hat auch der Frieden auf Erden eine Chance. Uns ist der  Retter zu Bethlehem geboren! Was kann Gott mehr für uns tun?

Er will uns Zukunft und Hoffnung schenken. Geben wir ihm die Gelegenheit dazu!


Stefan-Josef Schmitt, Sprecher des Pfarrgemeinderates (14.1.2016)

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34281 Gudensberg


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Fax: 05603 503053

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Sprechzeiten: 

Dienstag: 10 bis 13 Uhr 
Donnerstag: 15 bis 18 Uhr


 
 

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